Friday, May 19, 2017

Tofacitinib / Xeljanz® kommt gerade an


So, jetzt kommt auch noch Tofacitinib nach Baricitinib. Beides sind JAK-Inhibitoren. Wenn auch Baricitinib auf dem europäischen/deutschen Markt schneller zu erhalten war, so ist doch Tofacitinib (Xeljanz®) schon länger auf dem amerikanischen Markt (und z.B. in der Schweiz) erhältlich. Ich hatte bereits vor einem Monat über die beiden Präparate hier geschrieben [1].

Wann soll Tofacitinib denn eingesetzt werden?
EULAR und ACR haben Leitlinien herausgegeben. In der 2016 veröffentlichen Leitlinie werden JAK-Inhibitoren in Phase 2 erwähnt [2].
In Phase 1 der Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA) startet man typischerweise mit Methotrexat (es gibt weitere Optionen). Nach drei Monaten muss eine Verbesserung, nach sechs Monaten das Therapieziel erreicht sein, sonst werden Therapieanpassungen notwendig. Versagt Phase 1, dann geht es weiter zu Phase 2. Bei prognostisch ungünstigen Faktoren würde man dann bereits Biologika oder auch JAK-Inhibitoren einsetzen. Dabei wird man aus Gründen der Erfahrung eher zunächst ein Biologikum einsetzen.

Kosten
Ich habe erfahren, dass der Hersteller von Xeljanz® 2 Mrd. € für die Entwicklung des Präparates ausgegeben haben soll. Wirtschaftsanalysten gingen von jährlichen Einnahmen von 2 Mrd. US$ aus [3]. Ich kann für diese Zahlen leider nicht garantieren.
Aber ich habe heute den Preis von Xeljanz® in Mexiko für 28 Tbl. nachgeschaut: $9,308.50 MXN – das sind nach heutigem Kurs 445,71 €. Die Kosten für 56 Tbl. betragen hier bei uns: 1465,95 €. 5 mg Xeljanz® müssen zweimal täglich genommen werden. In Mexiko betragen die Tageskosten 31,84 €, bei uns 52,36 €. Das sind 7488,11 € im Jahr. Für 520 € findet man schon ein Angebot mit Flug nach Mexiko-Stadt. Vielleicht werden Patienten später aus Kostengründen nach Mexiko zum Medikamentenkauf geschickt – da könnten sich doch die 1A-Krankenkasse und die All-Around-the-Globe-Tours zusammentun.
Die Tageskosten für 20 mg Methotrexat Tabletten pro Woche betragen z.B. 0,39 €. Methotrexat kostet in diesem Beispiel 143,91 € im Jahr und für Xeljanz® sollen wir 19.111,40 € im Jahr zahlen. Sagen wir es einmal mit Jupp Schmitz: „Wer hat so viel Pinke-pinke, / Wer hat so viel Geld?“

Auch ich werde Patienten haben, die das Präparat benötigen, weil andere Medikamente nicht wirksam waren oder auch Nebenwirkungen hatten. Aber werde ich schon sehr genau schauen, ob es wirklich gerechtfertigt ist. Gut, dass es dafür wenigstens eine Leitlinie gibt.


Links: 

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3 comments:

  1. Ich hatte das Problem heute mit einem Patienten erörtert und wir schauten uns die Massengewichte für Tofacitinib, Baricitinib und Infliximab an:
    Tofacitinib 371
    Baricitinib 371
    Infliximab 144200
    Das illustriert es wohl ganz gut.

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  2. Der Preis ist also ca 3x höher bei uns im Vergleich zu Mexiko. Wieviel verdient noch mal ein deutscher Rheumatologe im Vergleich zu seinem mexikanischen Kollegen? Vielleicht sollte man bei der vorgeschlagenen Reise nach Mexiko den Arztbesuch auch gleich mit anbieten...

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    1. Guter Vorschlag! In Deutschland gibt es nämlich zu wenig Rheumatologen. Vielleicht, weil man in anderen Fächern mehr verdienen kann.

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