Thursday, June 8, 2017

Der Hainbund




Ich kann es nicht mehr genau rekonstruieren, aber einer meiner Brüder, meine Schwägerin und ich saßen abends in der Eifel zusammen und plötzlich sprachen wir über den Hainbund, besser den Göttinger Hainbund. Ich wusste eigentlich nicht viel mehr als Namen und Zeitpunkt. Aber ich erinnerte mich noch, dass im Gymnasium besonderen Wert auf die Kenntnis von diesem Bund gelegt wurde.

Wikipedia weiß zu berichten: „Der Göttinger Hainbund wurde am 12. September 1772 von Johann Heinrich Voß, Ludwig Christoph Heinrich Hölty, Johann Martin Miller, Gottlieb Dieterich von Miller, Johann Friedrich Hahn und Johann Thomas Ludwig Wehrs auf dem Kerstlingeröder Feld nahe der Universitätsstadt Göttingen gegründet.“ [1]
Aus einem Brief von Johann Heinrich Voß an Ernst Theodor Johann Brückner vom 21. September 1772: „Der Abend war außerordentlich heiter, und der Mond voll. Wir überließen uns ganz den Empfindungen der schönen Natur. Wir aßen in einer Bauerhütte eine Milch, und begaben uns darauf ins freye Feld. Hier fanden wir einen kleinen Eichengrund, und sogleich fiel uns allen ein, den Bund der Freundschaft unter diesen heiligen Bäumen zu schwören. Wir umkränzten die Hüte mit Eichenlaub, legten sie unter den Baum, und faßten uns alle bey den Händen, und tanzten so um den eingeschloßenen Stamm herum; riefen den Mond und die Sterne zu Zeugen unsers Bundes an, und versprachen uns eine ewige Freundschaft“ [2]

So etwas kenne ich auch aus China: Hier sind alle illustren Personen versammelt, sowohl die Alten als auch die Jungen. Hier sind hohe Berge und majestätische Gipfel, Bäume in vollem Laub und hoher Bambus. Hier sind auch klare Ströme und gurgelnde Stromschnellen, die das Auge von rechts und links fangen. Wir gruppieren uns, sitzen am Ufer und trinken nacheinander von einer Tasse, die den geschwungenen Bach hinunterschwimmt; Und obwohl es keine Musik aus Streich- und Holz-Blasinstrumenten gibt, doch mit abwechselnd versinkend und trinkend, sind wir wohl geneigt, ein ruhiges intimes Gespräch zu genießen. Heute ist der Himmel klar, die Luft ist frisch und die Brise mild. Wirklich angenehm ist es, das unermessliche Universum oben und die unzähligen Dinge unten zu sehen, über die ganze Landschaft mit unseren Augen zu reisen und unserer Stimmung zu erlauben, nach Belieben zu wandern und so die Freuden des Auges und des Ohres auszuschöpfen. [3]

Zurück zum Hainbund. Der Hainbund hat den Göttinger Musenalmanach herausgegeben. 1775 hatten die Herren Studenten zu Ende studiert und der Hainbund löste sich auf. Die Mitglieder des Bundes können Sie auf Wikipedia nachschlagen [1]. Wenn Sie mir sagen, Sie hätten von irgendeinem der Mitglieder etwas außerhalb der Schule gelesen, dann antworte ich: auch ich habe seltene und seltsame Literatur gelesen. Aber könnte man es nicht auch so zusammenfassen: Göttinger Studenten und in der Folge unbedeutende Schriftsteller bilden einen kurzlebigen Bund – wahrscheinlich nur, damit wir das später lernen müssen.

Noch ein anderer Punkt, den unser Lehrer damals ausgelassen hat: „[…] Hernach […] aßen wir, punschten, und zuletzt verbrannten wir Wielands Idris und Bildnis.“ Bücherverbrennungen gehen mir völlig gegen den Strich.


Links:
[3] 群賢畢至,少長咸集。此地有崇山峻嶺,茂林修竹;又有清流激湍,映帶左右。引以為流觴曲水,列坐其次;雖無絲竹管絃之盛,一觴一詠,亦足以暢敘幽情。是日也,天朗氣清,惠風和暢。仰觀宇宙之大,俯察品類之盛;所以遊目騁懷,足以極視聽之娛,信可樂也。

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